DIE HUNDE VON PARIS 2006 – 2008

Etwas Unheimliches ist trotz oder gerade wegen ihrer Verspieltheit, manchmal direkten Fröhlichkeit und anfänglichen Unbekümmertheit in den Arbeiten Birgit Pleschbergers allgegenwärtig. Denn mitunter entsteht das Gefühl des Unheimlichen gerade dann, wenn das allzu Vertrauenserweckende und vermeintlich Harmlose den Erwartungen, die man an es stellt, zuwiderläuft, diese ins Groteske verzerrt. Text: Stefanie Grünangerl zur Ausstellung „Hundsleben“, Galerie Eboran 2007     

Les chiens abandonnés 2008.

deep blue sea. Ausstellungsansicht Galerie 5020 Salzburg. 2010.
Sieben Hunde in Paris. Ausgesetzt an sieben verschiedenen Orten: vor dem Pub Mon
chien stupide, Rue de Boyer, in der Metro Station Pont Marie, in der Kirche St. Germain des Pres, vor einem Pornovideoladen Rue St. Denis, in den Katakomben, in der Tierhandlung Pont Neuf und in der Behörde für Fundgegenstaende.
Am Hals des Hundes ein Zettel mit Kontaktdaten der Künstlerin - ein Versuch mehr über das Schicksal ihres Objektes und des neuen Herrchens zu erfahren.
In Paris haben sich zwei Menschen gemeldet.
2008 wurde ein weiterer Chien in Rom und 2010 in Berlin und London ausgesetzt. Leider haben sich hier keine Finder gemeldet.

Les crépuscules 2006

Les Crèpuscules. Ton, Draht. Höhe je ca. 18 cm. 63 Objekte (hier 5). 2006.
Les Crèpuscules. Ausstellungsansicht. Galerie Eboran Salzburg. 2007.
Les Crèpuscules. Ausstellungsansicht. Galerie Eboran Salzburg. 2007.
Les crépuscules (dt. (Abend) Dämmerung, Dämmerlicht; aber auch: Untergang, Vergehen) treten in einer Gruppe von etwa sechzig Tieren - diesmal in Weiß und aus Ton - in der Finsternis auf, nur durch ein rotierendes Warnlicht beleuchtet. Wiederum sind sie in unterschiedlichster Körperhaltung und bei verschiedensten Tätigkeiten zu sehen: stehend, sitzend, liegend, sich streckend, bellend, spielend, wachend, sich neugierig umschauend etc. Die kleinen, comicartigen Hunde wirken in ihren Bewegungsabläufen wie erstarrt. Ihre Schatten streifen hingegen konstant über die Wände des Ausstellungsraumes, machen sich selbstständig und verursachen bei uns Betrachtenden leichtes Unbehagen.

Jedes Tier für sich genommen, könnte man ihnen Attribute wie liebenswert, drollig, zutraulich zuweisen. Doch durch ihr Auftreten im Rudel und zumal sie über ihren Namen und das sich zwar ständig drehende, aber den Raum nie wirklich ausleuchtende Licht erst in der hereinbrechenden Dunkelheit aktiv werden, bekommen sie in ihrer Ambivalenz aus erstarrtem Körper und beweglichen Schatten einen fast bedrohlichen Zug, etwas Beklemmendes. Die Tiere entwickeln ein seltsames Eigenleben, nicht als einzelnes Tier, sondern als Mitglied eines aufgrund seiner Größe imposanten Rudels, das beständig weiter zu wachsen scheint, bis seine Mitglieder schließlich überall sind und uns durch ihr stilles Auftauchen wiederum ein banges Abwarten abverlangen: Sind diese Hunde hier ausgesetzt, sich selbst überlassen? Warten sie auf irgendetwas? Oder haben sie sich bereits formiert und durchstreifen nun den Raum? Wonach suchen sie? Text: Stefanie Grünangerl zur Ausstellung . 

Les mortsvivants de Paris. 2006.

Les mortsvivants de Paris. Making of. 2006.
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