VIDEOS (STILLS) 2006 - 2010

Deep Blue Sea

deep blue sea. Ausstellungsansicht Galerie 5020 Salzburg. 2010.
deep blue sea. Ausstellungsansicht Galerie 5020 Salzburg. 2010.
Das "tiefe blaue Meer", das für Kindheit, Erinnerungen, Verschleierungen, Träume, Lebensfreude, Ängste, Hoffnungen, Wirklichkeiten und Unwirklichkeiten steht....
Zeit. Meist verändern sich Erinnerungen bzw. Gefühle, die mit Erinnerungen und Erlebten in Verbindung stehen. Sie werden verschleierter, schwächer, anders - da immer wieder neu interpretiert, oder intensiver, falscher, richtiger. Zeit läuft oft rückwärts, macht Erlebtes zum Mythos.
In dem Video „deep blue sea“ wird dieser Mythos thematisiert. Das Spiel des ‚Steine ins Wasser Werfens“ wird zum Sinnbild für all dies. Irgendetwas scheint verkehrt zu laufen, scheint verändert oder unwirklich zu sein, sobald man in das Video eintaucht. Dabei ist alles so, wie es sein soll. Ein Teich im Wald, das Zwitschern der Vögel, die Bäume, die Blätter... Erst etwas später erfährt man den Grund der seltsamen Atmosphäre – dann, wenn man die Steine aus dem Wasser in den Himmel springen sieht. Verklärt und trotzdem rein, voller Lebensfreude und doch mit Melancholie. BP

Diamonds are forever

deep blue sea. Ausstellungsansicht Galerie 5020 Salzburg. 2010.
Der Titel „Diamond are forever ...“ spielt an auf eine Gewisse Endlichkeit im Leben eines jeden Menschen. Die spürbare, fast traurige Stimmung, die das Video trägt, wird durch die Musik fast ins Dramatische gesteigert. Der Blick der Augen auf den Betrachter hin scheint diesen direkt anzusprechen und mit ihm eine Kommunikation aufnehmen zu wollen. Ein direkter Blick in und aus einer Seele.
Dieser Blick jedoch, so klar er manchmal auch erscheinen mag, wird immer wieder verschleiert, mal sanft und verspielt, mal ungestüm und gnadenlos.
Auch wenn das Video getragen wird durch eine Melancholie, so erlaubt das Ende doch eine gewisse Auflösung dieser Ernsthaftigkeit… BP

Landgewinnung

Landgewinnung (Video 9‘54‘‘). Ausstellungsansicht Minoritenkloster Graz 2010 und still.
Ein Spiel im Grünen zwischen einem Mann und einer Frau. Ein Glücksspiel, in dem es um ein Ja oder Nein und ein Gewinnen und Verlieren geht.

Explodogs 2006 (5 Kurzvideos)

‚Explodog’. Installationsansicht. Galerie Substitut. Berlin 2008.
‚Explodog’. Installationsansicht. Galerie Substitut. Berlin 2008.
Aus schwarzem, glänzendem Plastilin geformte Hunde wirken zuerst wie die Protagonisten eines Animationsfilms: kindlich verspielt, in ihrer Physiognomie vereinfacht, aber dennoch klar als Hunde erkennbar. Fast erwartet man, dass sie sich zu bewegen beginnen, um uns eine mehr oder weniger lustige Geschichte zu erzählen. Und tatsächlich: ihre Körper blähen sich auf, so dass die Haut schließlich aufbricht, Luftballone aus ihrem Inneren herauswachsen, um ebenso zu zerplatzen, wie bereits der Hund zuvor, oder in sich zusammenzusinken und damit die Bewegung der eingefallenen Körperhülle nachvollziehen. Erst kurz vor ihrer Explosion beginnen die Hunde der explodog-Serie lebendig zu werden: Atembewegungen werden noch durch den fauchenden, manchmal winselnden Ton des Blasebalgs verstärkt, der anschwellende Kopf und Bauch setzen auch den restlichen Körper in Bewegung, manchmal erst so richtig, nachdem ein Teil des Körpers bereits aufgeplatzt, der Ballon explodiert ist.
Schon der Hintergrund, vor dem diese kleinen schwarzen Hunde platziert sind, stört die Illusion einer harmlosen Trickfilm-Geschichte: die sieben nebeneinander geschalteten Videos zeigen sie in einer perfekt weißen, fast sterilen Umgebung stehend, sitzend, liegend, mit Schläuchen, die zu ihren Körpern führen. Die fixe Kameraposition verstärkt den Eindruck noch, dass es sich hier um ein standardisiertes Verfahren handeln könnte, zur Messung irgendwelcher Werte. Ein wiederholbares und zugleich abwandelbares Experiment, um zu „gültigen Aussagen“ über den Einfluss verschiedenster Faktoren (Druck, Oberflächenbeschaffenheit, Körperhaltung) auf das „Endergebnis“ zu gelangen. Der jedem Video eigene Ton unterstützt das Setting einer Versuchsanordnung noch, über Geräusche wie ohrenbetäubendes Pfeifen und wiederkehrendes Knacken, die an Apparaturen des Messens, Kontrollierens und auch Induzierens von Kräften erinnern. Bisweilen ist der Ton aber neben den Spiegelungen auf der glänzenden Oberfläche der sich aufblähenden Luftballone und den immer wieder bemerkbaren Zeitlupen, Unschärfen und Bildsprüngen ein Element, das die saubere und kontrollierte Atmosphäre der Versuchsanordnung durchbricht. In der Parallelität der Abspielsituation durchmischen sich die einzelnen Tonspuren, werden zur (unheimlichen) Geräuschkulisse.
Das Schicksal der kleinen, zuerst lieblichen, verspielten Hunde sorgt für Beunruhigung, allerdings wäre es zu pathetisch hier von einem Todeskampf zu sprechen. Denn unser Interesse an diesen Videos birgt durchaus auch ein lustvolles, erforschendes, von Neugierde und Experimentierlaune getriebenes Moment in sich. Eine befremdliche Faszination entsteht: banges, teils furchtsames Warten auf die Explosion, andererseits ein dem Augenblick des Aufbrechens, Aufplatzens, Zerplatzens entgegenfieberndes Beobachten der Abläufe, bis hin zum langsam in sich zusammensinkenden Hundekörper, wozu uns die noch lange nach der letzten Explosion weiterfilmende Kamera ausreichend Gelegenheit gibt. Die Beobachtung ist hier nicht nur eine rein registrierende, wissenschaftlich-distanzierte, sondern zugleich eine die unterschiedlichsten Emotionen provozierende, mithin äußerst zwiespältige Angelegenheit. Text: Stefanie Grünangerl zur Ausstellung „Hundsleben“, Galerie Eboran 2007

Hundsleben

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